Noch mal ein Volltreffer

von Jan Sting, 12.11.06, 18:28h

Kurz vor dem Ende der Jazztage hatte Festivalmanager Eckhard Meszelinsky einen üblen Traum: Tim Hauser ging im Kölner Fastelovend verloren. Nun, dem Urgestein des Grammy sammelnden Quartetts „The Manhattan Transfer“ hätte das womöglich wirklich passieren können. Denn mit seinen Sängerkollegen Janis Siegel, Cheryl Bentyne und Alan Paul residierte der berühmte Bass im Kölner Hilton. Und weil Ausnahmezustand aufgrund des „Elften im Elften“ drohte, parkte man die Limousine, die die Megastars nach Leverkusen bringen sollte, schon in der Nacht zuvor beim Hotel. „Raus kommt man immer“, erklärte Meszelinsky grinsend.

Sie waren denn auch pünktlich. Und obwohl der eine oder die andere aus der alten Besetzung der 70er Jahre ein kleines Pölsterchen angesetzt hat, klang der Vocal Jazz richtig drahtig. Die Bühnenshow war schon eine Gaudi an sich. Alles war ins Licht getaucht - als befinde man sich im Wohnzimmer eines Wolkenkratzers, und an der Skyline swingten die Musiker von Manhattan Transfer. Dass der Drummer Steve Hassapoglou hinter einem Paravent aus Plexiglas sitzen musste, war allerdings nicht so nett. Nicht mit der Limousine, sondern mit dem Bus kam die Bigband des Gymnasiums Berenbostel aus Garbsen (Niedersachsen). Sie hatte am Sonntag beim Nachwuchswettbewerb des Skoda-Jazzpreises einen ersten Preis auf Regionalebene eingeheimst und spielte zur Belohnung in der Pause im Agamsaal. Die Band hatte wirklich einiges auf der Pfanne. Christina Hein besucht die Klasse 12 des Gymnasiums. Die Klasse, die sie als Sängerin bereits erreicht hat, gibt es auf keiner Schule...

Als Höhepunkt des Abends traten die sechs A-Capella-Sänger von „Take 6“ auf die Bühne. Einige Tage schon hatten die Großen des Gospel mit der WDR-Bigband unter der Leitung Michael Abenes geprobt. Das Ergebnis begeisterte das Publikum im berstend vollen Terrassensaal. Die Wurzeln sind spirituell, daher war auch die Botschaft christlich. Doch wer dahinter einen braven Chor vermutete, lag falsch.

Wenn der Soul zur Spitzenform aufläuft und die Bässe wummern, bewegen sich die Shooting-Stars aus den späten 80ern nämlich leichtfüßig wie beim Basketball. Hätten sie doch nur einmal auf die Kamera gezielt, die am gigantisch langen Kran während des ganzen Festivals etwas lästig über die Köpfe turnte! Aber ein Volltreffer waren die Jungs auch ohne Ballzauber. Und dass es ihnen in Leverkusen gefällt, zeigt sich daran, dass sie bereits zum dritten Mal die Jazztage beehrten.

www.ksta.de/lev-jazztage

http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1162473023553

Copyright 2006 Kölner Stadt-Anzeiger. Alle Rechte vorbehalten.